Samstag, 26. Februar 2011

Museumsbesuch am 26.02.2011, Kunstsammlung Süd-, Südost- und Zentralasien in den Museen Dahlem / Tip des Berliner Stadtmagazin

26.02.2011 10:00Uhr
Museumszentrum Berlin-Dahlem
Museumszentrum Berlin-Dahlem
Arnimallee 27
14195 Berlin
Telefon: +49 - (0)30 - 8301 4
Kunstsammlung Süd-, Südost- und Zentralasien in den Museen Dahlem
Kunstsammlung Süd-, Südost- und Zentralasien in den Museen Dahlem
Die Kunstsammlung Süd-, Südost- und Zentralasiens beherbergt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Kunstwerken des indo-asiatischen Kulturraums vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis in die Gegenwart. Dieses extensive geographische Gebiet umfasst neben Indien noch die Regionen Pakistan, Afghanistan, Sri Lanka, Bangladesh, Nepal, die Autonomen Gebiete Tibet und Xinjiang der Volksrepublik China, die südostasiatischen Länder Myanmar, Thailand, Kambodscha, Vietnam sowie die indonesische Inselgruppe.



Sammlungscharakter



Die indische Kunst ist beinahe ausschließlich religiös geprägt. Die drei Hauptreligionen Hinduismus, Buddhismus und Jinismus sind durch herausragende Steinskulpturen und -reliefs, Bronzen und Terrakotten in der Kunstsammlung Süd-, Südost- und Zentralasien vertreten. Die ältesten Kunstwerke dieser in Bezug auf ikonographische Besonderheiten von Götterbildern wohl anspruchvollsten Sammlung außerhalb Indiens stammen von buddhistischen und hinduistischen Sakralbauten der ersten Jahrhunderte nach Christus. Die jinistische und die Mehrheit der hinduistischen Plastik hingegen kommen aus Tempeln der klassischen bis mittelalterlichen Zeit bis etwa zum 13. Jahrhundert. In die im Jahr 2000 neu gestaltete Ausstellung sind der runde Stupa und der rechteckige Tempel als wichtigste Elemente der indischen sakralen Architektur integriert worden.



Ab dem 12. Jahrhundert trat der Islam in Indien als weitere wichtige Glaubensrichtung hinzu. Das indische Kunsthandwerk, das während der islamischen Herrschaft erblühte, ist durch Metallarbeiten, Keramik, Holzschnitzereien, Elfenbein- und Jadearbeiten sowie kostbare Textilien vertreten. Die farbenprächtigen Miniaturen aus der Moghul-Zeit runden die Präsentation ab. Im Bereich der Buchkunst ist zudem die umfangreiche Sammlung von Malereien aller vier großen Religionen Indiens hervorzuheben.



Die Kunst der Himalaya-Länder Nepal und Tibet wird vertreten durch Stoffmalereien (Thangkas), Holzskulpturen und Bronzen, wobei die aus dem 18. Jahrhundert kommenden, dämonenhaft wirkenden Schutzgottheiten für den späten tantrischen Buddhismus charakteristisch sind.



Aus Südostasien stammen Stein- und Bronzefiguren, glasierte Tonreliefs sowie Grabfunde aus prähistorischer Zeit (3. bis 1. Jahrtausend v. Chr.), wie Keramikgefäße, Bronze- oder Glasschmuck.



Herzstück und zugleich architektonischer Mittelpunkt der Ausstellung ist die weltberühmte "Turfan-Sammlung", benannt nach der ersten der vier Königlich-Preußischen Expeditionen an die Nördliche Seidenstraße (heute Xinjiang, Volksrepublik China) zwischen 1902 und 1914. Die Wandmalereien, Textil- und Papierbilder, Lehm- und Holzskulpturen des 3. bis 13. Jahrhunderts stammen vorwiegend aus buddhistischen Kultbauten. Im Zentrum steht der Nachbau eines in Originalmaßen rekonstruierten quadratischen Tempels, der mit den originalen Wandmalereien der Höhle 123 in der Oase Kucha ausgestattet ist.



Geschichte



Zunächst noch unter Leitung des Museums für Völkerkunde wurden bereits seit dem 19. Jahrhundert systematisch Objekte indo-asiatischer Kultur gesammelt. Herausragende Kunstwerke gelangten jedoch erst in der Zeit zwischen 1900 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs in Berliner Museumsbesitz. Ursachen hierfür waren das stetig wachsende Interesse an indischer Kultur und die damit verbundenen Leistungen der deutschen Indologie an ihrer Erforschung. Zwischen 1902 und 1914 führten die Wissenschaftler der seit 1904 eigenständigen Indischen Abteilung, der Indologe Albert Grünwedel und der Turkologe Albert von LeCoq, vier Expeditionen an die Nördliche Seidenstraße durch. Sie brachten mit der "Turfan-Sammlung" einzigartige Exponate nach Berlin, die erstmals einen bildhaften Eindruck in das religiöse und kulturelle Leben in den entlegenen Gebieten des östlichen Zentralasien im ersten nachchristlichen Jahrtausend vermittelten.



Hatte der Erste Weltkrieg schon die Fortsetzung der Expeditionen an die Seidenstraße verhindert, so schlug der Zweite Weltkrieg erhebliche Lücken in den Bestand der Indischen Abteilung (mehr als 2.100 Inventarnummern - unter einer Nummer befanden sich oft mehrere Objekte - gelten noch als kriegsbedingter Verlust). Die Rückführung der in der amerikanischen und britischen Besatzungszone beschlagnahmten Objekte erfolgte 1956/57. Teile der von der Roten Armee nach Kriegsende in die Sowjetunion verbrachten Kunstwerke gelangten 1978 in das Grassi-Museum nach Leipzig und von dort nach 1990 wieder nach Berlin zurück. In den Magazinen der Eremitage in St. Petersburg konnten 2002 erstmals etwa 20 Prozent der vermissten Bestände gesichtet werden.



1963 erhielt die Indische Abteilung mit der Herauslösung aus der ethnologischen Sammlung einen eigenen Status als Kunstmuseum, das der Bedeutung der indo-asiatischen Hochkulturen innerhalb des Weltkulturerbes gerecht wurde. Damit war für die indo-asiatische Kunstforschung in Deutschland erstmals ein eigenes Institut geschaffen worden.



Die Sammlungen des Museums für Indische Kunst konnten nach dem Bau des neuen Museumstrakts in Berlin-Dahlem 1971 erstmals in eigenen Ausstellungsräumen präsentiert werden. Seitdem wurden die Bestände durch Neuerwerbungen, Schenkungen und Leihgaben aus Privatbesitz ergänzt. Eine neu konzipierte Dauerausstellung mit etwa 400 Exponaten der beinahe 20.000 Objekte umfassenden Sammlung wird seit dem Jahr 2000 präsentiert. Neben den in die Ausstellungsarchitektur integrierten Elementen indo-asiatischer sakraler Architektur - der runde Stupa und der rechteckige Tempel - schafft auch die Verwendung des aus Indien importierten Grauquarzits einen auf die Herkunft der Exponate anspielenden Rahmen.



Seit 4. Dezember 2006 sind das Museum für Indische Kunst und das Museum für Ostasiatische Kunst vereint zum Museum für Asiatische Kunst. Sie werden als Abteilungen des neuen Museums für Asiatische Kunst geführt.
Berliner Stadtmagazin